Michael Weyland – Experimentelles Lernen im Ökonomieunterricht – wirksam, effizient, unverzichtbar?

Zeitschrift für ökonomische Bildung Heft Nr. 08, Jahrgang 2019 / DOI: Folgt
Michael Weyland
Institut für Bildungsmanagement, Abteilung Wirtschaftswissenschaften, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

 

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Zusammenfassung

Der Einsatz ökonomischer Experimente im Wirtschaftsunterricht allgemeinbildender Schulen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Neben entscheidungs- und spieltheoretischen Experimenten, wie z. B. dem Ultimatumspiel oder dem Kooperationsspiel, stehen dabei vor allem Marktexperimente im Mittelpunkt des Interesses. Auktionsformen, alternative Marktdesigns und institutionenökonomisch fundierte Anreizsysteme können so auf „domänenspezifische“ Art und Weise veranschaulicht werden.

Während sich ökonomische Experimente im Schulalltag zunehmend verbreiten, ist die Frage ihrer tatsächlichen Wirksamkeit und Effizienz für den deutschsprachigen Raum noch weitgehend unerforscht. Zahlreiche Erfahrungsberichte beschränken sich auf eine mehr oder weniger anschauliche Beschreibung der beobachteten Lerneffekte sowie die Darstellung persönlicher Einschätzungen der Lehrenden. Systematisch angelegte Studien zur Wirksamkeit und Effizienz experimentellen Lernens fehlen hingegen weitestgehend: „In general, literature on economic experiments is growing fast, but little is known so far about the effectiveness of the method.” (Ebbers u. a. 2012, 130)

Im Mittelpunkt des Beitrags steht daher die Frage, inwieweit der systematische Einsatz ökonomischer Experimente im Ökonomieunterricht – über Novitätseffekte hinaus – tatsächlich zur ökonomischen Bildung der Schüler beitragen kann. Um die Wirksamkeit und Effizienz des Einsatzes ökonomischer Experimente auf den Lernerfolg der Schüler systematisch zu erfassen, wurde eine sechzehnstündige Unterrichtsreihe für die gymnasiale Oberstufe konzipiert, in insgesamt 21 Lerngruppen iterativ erprobt und optimiert und mithilfe einer experimentellen Feldstudie (vier-Gruppen-Pretest-Posttest-Design) evaluiert. Typische variablenkonfundierende Störfaktoren wurden durch das Untersuchungsdesign ausgeschlossen bzw. systematisch und umfassend bekämpft, sodass die äußeren Rahmenbedingungen der Untersuchungsdurchführung für Experimental- und Kontrollgruppen – mit Ausnahme des Treatments selbst – durchweg vergleichbar waren.

Durch den Einsatz weitgehend standardisierter Erhebungsinstrumente konnte gezeigt werden, dass der systematische Einsatz ökonomischer Experimente im Hinblick auf klassische Lernleistungen (Wissen, Verstehen) zu großen Lernzuwächsen führt, welche die Lernzuwächse des Mainstream-Unterrichts (in den beiden Varianten „lehrerzentriert“ sowie „schülerzentriert“) signifikant übertreffen. Dasselbe gilt für den Bereich der Motivation und des Problemlösens. Experimentelles Lernen scheint sich besonders positiv auszuwirken auf die Fähigkeit, offene, kompetenzorientierte Aufgabenstellungen zu bewältigen. Der Beitrag stellt die Herleitung der Fragestellung, das Forschungsdesign und die wesentlichen Ergebnisse der Studie in den Mittelpunkt.

 

Abstract

Classroom experiments are growing in popularity. Especially market experiments pose the main focus of interest. In this way it is possible to illustrate auction forms, alternative market designs, and incentive systems in a domainspecific manner.
While classroom experiments are increasingly spreading in everyday school life, the question concern-ing their actual effectiveness and efficiency is still widely unexplored. Numerous progression reports are limited to one, more or less, extensive description of the observed learning effects as well as to the illustration of personal assessments of the teachers. However, there is a lack of systematic studies concerning the effectiveness and efficiency of experimental learning. „In general, literature on economic experiments is growing fast, but little is known so far about the effectiveness of the method.” (Ebbers u. a. 2012, 130)
The focus of this contribution is therefore to deal with the question whether the systematic application of classroom experiments in economics education – beyond novelty effects – is actually able to contribute to the economic competences of students. In order to systematically measure the effectiveness and efficiency of classroom experiments on the learning success of students, a sixteen-hour lesson unit was designed especially for the upper secondary school. This unit was iteratively tested in 21 learning groups, optimised and evaluated by means of an experimental field study (four-groups-pretest-posttest-design). Typical variable confounded disruptive factors had been excluded, or systematically controlled by the examination design. In this way, the external conditions of the study investigation for experimental- and control groups – expect for the treatment itself – had been consistently comparable.
By using mainly standardised evaluation instruments it was possible to demonstrate that the systematic use of classroom experiments, with regard to classical learning performances (knowledge, understanding), leads to great learning effects which also significantly exceed learning effects of mainstream schooling. The same effect is noticeable with regard to motivation and problem solving. Experimental learning seems to have a positive effect on the ability to cope with open and competence-orientated tasks. This contribution focuses on the derivation of the formulated question, the research design, and the essential results of the study.

Zitieren dieses Beitrages
Weyland, M. (2019): Experimentelles Lernen im Ökonomieunterricht – wirksam, effizient, unverzichtbar?. In: Zeitschrift für ökonomische Bildung, Ausgabe 9, 1-26.

 

Linkdaten:
Direktlink zum Artikel: https://www.zfoeb.de/2019_8/2019-8_1_26_weyland.pdf